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Die Legende der Seerose

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 Lieber Lenart,


ich danke dir recht herzlich für deinen Seerosengruß!

Du hast dich in meinem Gedankenlabyrinth verirrt, lieber Liam. Auch wenn mein Alltag die Zeit für sich gepachtet hat, muss ich manchmal an dich denken. Heißt das, dass ich auf den Weg zu dir bin? Zumindest gedanklich.

Du hast nur einen einzigen Augenblick der Seerose eingefangen.

Eines Morgens, als sich der Sonnenaufgang im See spiegelte und das Morgenrot die Seerose in ein wunderschönes purpurfarbenes Licht hüllte, schnappte ich meine Malsachen und lief ich so schnell ich konnte zur See.

Mit jedem Pinselstrich habe ich der Seerose auf meiner Leinwand auf meine Art ein Stück Leben gegeben.

Du brauchst vielleicht nur einen einzigen Augenblick aus der Zeit, um etwas Wunderbares für lange Zeit festzuhalten. Ich aber bin eine Augenblicksammlerin und brauche viel Zeit.

Ist das eine Antwort?



Liebe Grüße Amalie



P.S. Ich erzähle dir noch die Legende der Seerose.

Nymphen sind anmutige weibliche Naturgeister aus der griechischen und römischen Mythologie. Eine solche Nymphe fiel in eine große, aber unerwiderte Liebe zu Herakles. Der Legende nach starb eine dieser Nymphen an unerfüllter Liebe. Die Götter hatten Mitleid mit ihr. Sie ließen sie als Seerose wieder auferstehen. Bei den Griechen heißt sie deshalb auch Herakleios. Seerosen werden von Nixen beschützt: Wer den Seerosen ein Leid tun will, der wird von den Nixen in die Tiefe gezogen, so heißt es in einer alten Sage.

Ich glaube nicht an Nixen und deren Magie. Es gibt aber Menschen, die eine enorme Anziehungskraft haben.

Er ist in meinen Gedanken

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Amalie



Ich wachte auf. Nacht und Tag umarmten sich in einem Morgen. In diese Stille des neu geborenen Morgens lächelte ich hinein.

Verlorene Sonnenstrahlen der Morgensonne zeichneten orangefarbene Schatten auf die Wand. Ich schloss die Augen und träumte ihn. Seine grüngoldfarbenen Augen sehen mich an. Ich spiegele mich in ihnen. Ein sanftes Lächeln umspielt seinen Mund.

Ich lächele. Ich zeichne zärtlich mit den Fingern Kreise auf seine Brust. Ich berühre seine Lippen in einem ganz sanften Kuss, bis dunkelrot Liebe alle Sinne belebt. Mein Herz rennt mir fast davon.

"Frag’ mich nicht…….frag’ mich nichts in dieser Nacht." träume ich. Ich küsse ihn leidenschaftlich und umarme ihn ……Fühle seine warme Haut unter meinen Fingerkuppen knistern....Milch und Honig....Ich rieche Milch und Honig. Seine Haut duftet danach. Ich küsse sein Schlüsselbein, wandere küssend zu seinem Hals, küsse...



Der Handywecker riss mich gnadenlos aus dem Traum aus ich seine pochende Halsschlagader küssen wollte.

Es dauerte noch eine winzige Ewigkeit bis mein Puls sich normalisierte.

"Eule du!" schimpfte ich mit mir. "Da schreibt dir ein Mann den du ein einziges Mal flüchtig gesehen hast ein paar schnulzige Worte und du träumst ihn. Na und...." schimpfte ich in Gedanken weiter mit mir, "er hat dir geschrieben. Das ist auch schon alles. Hast sonst nichts zu denken? Denke an dein Studium und konzentriere dich darauf. "

Wieder spazierte er in meinen Gedanken. Ich widmete mich dem Papierberg, um ihn Stück für Stück abzutragen. Ich bemühte mich nicht an ihn zu denken und mich auf meine restliche Arbeitszeit zu konzentrieren. Aber er verschwand nicht aus meinen Gedanken.

Endlich habe ich die restlichen zwei Stunden geschafft und endlich konnte ich aufatmen. 

Feierabend und er war immer noch in meinen Gedanken.



Draußen regnete es. Ich konnte es kaum erwarten nach Hause zu kommen. Ich freute mich auf ein warmes Bad, auf einen leckeren warmen Kakao und auf meine neue Couch.

"Soll ich auf seinen Brief antworten?" dachte ich. "Ich bin unsicher. Und ich bin neugierig auf ihn."

Zu Hause angekommen, in meiner vorstädtischen Gemütlichkeit, streifte ich meine Kleidung ab und legte mich in das warme nach Milch und Mandeln duftende Schaumbad.

Ich genoss es, nach einem langen und stressigen Arbeitsag ausgiebig zu baden. Ich wusch und kurte meine langen Haare. Wärend die Haarkur ihre Wirkung enfaltete dachte ich darüber nach, ob ich ihm schreiben sollte.

Ich stieg langsam aus der Badewanne, trocknete mich ab, wickelte einen Haartuch-Turban um meine Haare, schlüpfte in meinen himmelblauen Frotté-Bademantel.

"Kopf oder Zahl?" fragte ich mich. "Kopf bedeutet ja, Zahl bedeutet nein."

Ich nahm eine Münze und ließ sie auf die Tischplatte im Wohnzimmer fallen.

"Kopf! Aber ja, ich schreibe ihm." murmelte ich vor mich hin.





Nur eine Umarmung

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 Lenart


 Ich träumte davon, dass ich sie umarme. Joe Dassin hat es in einem Lied auf den Punkt gebracht:
Da sind die Mädchen, von denen wir träumen
Und die, mit denen wir schlafen
Da sind die Mädchen, die wir bereuen
Und die, die uns mit Bedauern zurücklassen
Da sind die Mädchen, die wir lieben
Und die, die wir hätten lieben können
Und dann, eines Tages, ist da die Frau
auf die wir gewartet haben.
Irgendwie, ungefähr. ein bisschen aber nicht ganz triift der Liedtext auf mich zu. 
Das ist wirklich paradox, denn ich kannte sie nicht und hatte nicht damit gerechnet sie wieder zu sehen. Doch manchmal verfahre ich mich einfach in den Emotionen. 
Ich träume gelegentlich. Ich denke über etwas oder jemanden nach un dann verlaufe ich mich ganz unbewusst in diesen Zustand. Ich träume aber auch ganz realistisch von meinen Zielen, die ich mir irgendwann einmal gesteckt habe, träume von meiner Zukunft. Von Zeit zu Zeit rückt alles immer weiter von mir weg und bleibt unerfüllt, aber ich versuche es mir immer wieder auf meiner Landkarte des Lebens vor Augen zu halten.
Doch ich träume oft von der Sehnsucht, dass ich eines Tages finde, wonach ich eigentlich mit tiefstem Herzen, , suche. Ich träume dann davon, sie zu finden, die ich lieben kann und die mich liebt. Sie, die mich liebt wie ich bin, die mich so annimmt mit allem was mich ausmacht.
Ich träumte von ihrem weichen Körper der sich leicht an mich schmiegt und von Armen die mich mich umhüllen, nicht einsperren oder beengen, sondern wärmend umfassen.
Ich lege meine Arme um ihre Mitte und drücke sie ganz fest an mich. Ich spüre ihren Herzschlag an meinen Rippenbogen pochen. Ich küsse sie. Sie ist so honigsüß und ich hätte schwören können, ich wäre im Paradies. 
Ein weiterer Kuss der sich durch alle Adern bis ins Herz drückt, folgt dem ersten. "Sie bahnt sich ihren Weg durch alle Sinne." denke ich. Ich will dieses Gefühl zelebrieren und verliere scheinbar den Boden unter meinen Füßen. Ich möchte noch lange dieses Glück festhalten, es teilen. Jetzt will ich klar sein. Hier sein. Eins mit dem Moment. Ein Teil von ihr. Ein Liebe. Nur diese Minuten. Nur diese Stunden. Nur diese Nacht. Gemeinsam.
Ich fühle wie ich mich entfalte, ich fühle den heißen Samen über meinen Bauch und Schenkel pulsieren und schrecke auf.
Ich wollte schnell in den Traum zurück kehren, aber ich war wach. Hellwach.
Ich schloss die Augen um den Traum noch einmal in meine Gedanken zu rufen. Der Wecker riss mich brutal aus den Gedanken.

Ich duschte, trank einen Cappuccino und fuhr zum Dienst.

Am späten Nachmittag entdeckte ich in meinem Briefkasten einen orangefarbenen Umschlag. Ich öffnete ihn mit dem Taschenmesser an meinem Schlüsselbund. 
Mein Herz schlug Purzelbäume.
Ich laß;

Liebe Amalie

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 Liebe Amalie,


schön Dich gesehen zu haben. Es waren die schönsten zehn Ferientage die ich bis anhin erlebt habe.
Ich sah Dich am Fluss. Mir fielen deine Augen auf. Sie sind schokoladenfarben. Und dein sanftes Lächeln. Nur Verliebte oder Liebende haben dieses Lächeln auf dem ganzen Gesicht. So lächeln nur liebende Augen.
“Sie ist es,” dachte ich. Ohne dich jemals gesehen oder gehört zu haben. Ohne dich näher zu kennen.
Du warst allein und hast fotographiert. Ich traute mich nicht dich anzusprechen. Ich stand irgendwann sogar neben dir. Du lächeltest mich kurz an. Ein kurzer schokoladenfarbener Blick konnte ich erhaschen . Eine kleine Ewigkeit ….
Und ein Blitzggedanke. Die Adresse an deinem Rucksackband.

Liebe Amalie, lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich Dir schreiben soll. Bestimmt hast Du mich schon aus deinen Gedanken gestrichen. Ich habe lange Zeit nichts von mir hören lassen, weil ich im Begriff war, dich aus meinen Gedanken zu streichen.
Zu spät, wie Du siehst! Du hast den Weg zu meinem Herzen eingeschlagen, während ich mich von einem heftigen Strudel, während ich im Fluss-Alltag schwamm, mitreißen ließ. Deshalb schicke ich dir diesen Brief und das Seerosenbild, das ich fotographiert habe.
Ja, du bist jetzt in meinen Gedanken auf dem Weg zu mir. Oder doch nicht? Ich warte auf deine Antwort.


Liebe Grüße Lenart



P.S.

Erinnerst Dich daran? Diese winzigen Seerosenblätter am Weiher?

Ich hoffe, dass meinen Seerosengruß Dich an mich erinnert und mein Gruß dein Herz erreicht.

Die nächsten Tage

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Lenart

Oft wenn es die Zeit und das Wetter erlaubte, fuhr ich zum Weiher, in der Hoffnung sie wieder zu sehen.

Ich setzte mich auf dem Sattel meines Fahrrads und jeder Weg wurde zu meinem. Und es gab diesen einen Zeitpunkt auf meinem Rad, an dem es mich auf eine ganz besondere Art und Weise verzaubert: Ich fuhr über Felder, durch endlos weite Landstriche und hatte dabei das Gefühl nicht allein zu sein. Die Zeit die ich auf meinem Rad verbrachte war oftmals tröstlich, jenseits von Terminen und Verantwortung.

Ganz besonders in Momenten, in denen ich nicht mehr weiter wusste, packte mich ganz plötzlich die Sehnsucht einfach nur Stille inmitten reinster Natur zu genießen. Ich begegnete Leuten auf den Wegen,  fuhr neben ihnen her, oder überholte sie.  Der Gedanke war tröstlich, dass mein Rad im Keller stand, mir immer treu war, egal wohin ich wollte. - Und manchmal, da kam es mir vor, als wüsste es, wohin ich fuhr. Dann spürte ich die pure Freiheit, wenn die Kette durch die Schaltung rasselte und der Fahrtwind um die Nase zog.

Das Vergangene, das Dann hat mir seelisch etwas zugesetzt. Eine gescheiterte Beziehung, die mehr Tiefen als Höhen, mehr Enttäuschungen als Freude hatte. Eine lauwarme Liebe die Tag für Tag immer  weniger wurde, das Alleinsein, das mir einige Zeit sogar gut tat endete und später dann fühlte die Einsamkeit. Sie zog schmerzhaft durch meinen Körper, durch meine Sinne. 
Ich traf mich mit Frauen, aber keine berührte weder meine Sinne noch mein Herz. Das Vermissen blieb aus und was man nicht vermisst verliert man nach und nach.

Dieses Jetzt fühlte sich immer wieder neu und unerforscht an. Manchmal, wenn dieser Zustand der Veränderung mir sehr bewusst wurde, fühlte ich mich irgendwie voll mit Energie, voll mit Neugier.

Und seit langer Zeit spürte ich wieder die Mut, die Kraft und die Freude an der Erfüllung aller Herausforderungen des Alltags, die mich erwarteten.

Ich dachte oft an sie. An ihre Augen, an ihr Lächeln, an ihre Art wie sie sich bewegte.

Es gibt Dinge, die lassen sich scheinbar nicht in Worte fassen. Scheinbar unaussprechlich. Scheinbar undenkbar.

Ich hörte viel Musik um mich vom Alltag abzulenken. Doch seit dieser Begegnung am Weiher hörte ich eine andere Musik. Musik, die es schafft, sie in Form ihrer Melodik, ihres Taktes oder in treffenden Lyrics widerzuspiegeln. Sie legt sich auf mein Ohr. Drückt sich mit ihrer Melodik, getrieben von sanften, rhythmischen Bässen durch meine Adern bis hinein ins Herz. Bahnt sich ihren Weg durch alle Sinne. Musik die es schafft diese Gedanken zu lesen, diese zu entknoten, wenngleich sie weder Anfang noch Ende kennt. Diese Musik, die in mir das Bedürfnis erweckt, mit meinen Armen eine Umarmung zu formen, mich heiser schreien und zugleich in ihr schweigend und paralysiert versinken zu wollen.

Ich vermisste sie.

"Wie kann man jemanden vermissen, den man nicht kennt?" dachte ich und lachte über mein Verhalten. "Sie hat dich bestimmt schon längst vergessen, wenn sie dich überhaupt richtig wahrgenommen hat."


Ich drehte die Visitenkarte in meiner Hand. "Morgen werde ich ihr schreiben," sagte ich überzeugend. "Ich muss Briefpapier kaufen." Bis anhin hatte ich an solche Dinge keinen Gedanken verschwendet. Wer schreibt denn heutzutage noch privat Briefe? Man sendet Postkarten aus dem Urlaub, ein paar nette Nachrichen über soziale Medien und das war es schon. "Sie wird dich auslachen und den Brief ungelesen zerfetzen und und in die Papiertonne werfen oder in feine Streifen zerschreddern." Und ich habe ein Bild vor Augen: erstaunt öffnet sie den Brief mit dem Brieföffner, liest ihn kurz überfliegt die Zeilen, zerreißt den Brief und lässt ihn in den Papierkorb landen."

Ich ertappte mich Selbstgespräche zu führen. “Ich verliere mich. Verliere mich in der Zeit. Verliere mich im Leben. Verliere mich im Zweifel. Spüre jedoch, nah an meinem Herzen, wie ich immer wieder versuche zu meinem Ich zu gelangen und verliere mich weiterhin. Verliere mich in Träumen, verliere mich in Lieben, verliere mich in Hoffnungen. Ich verliere mich ständig und halte doch an dem fest, was mich hält. Halte mich ganz fest am Loslassen und falle in den nächsten Augenblick. Falle unwiderruflich in meine Zukunft und höre diese Melodien, während ich mich wieder in diesen verliere, gerade weil ich im “mich verlieren” grenzenlos zu leben scheine, die Musik mir erlaubt mich fallen zu lassen und sie mich im selben Augenblick wieder auffängt.



Ich hatte am 1. Tag im Mai Nachtdienst. Den Tag verbrachte ich zu Hause.

Nach dem Frühstück, das aus Cappuccino mit extra viel Milchschaum und 2 Rosinenbrötchen mit Butter und Himbeermarmelade bestand, setzte ich mich an den Schreibtisch.

Ich hatte himmelblaues Briefpapier und himmelblaue Umschläge gekauft. Ich legte eine neue Tintenpatone in den Füller, überprüfte ob er schreibt und nicht kleckst. Zufrieden mit dem Ergebnis legte ich los.

Wort für Wort reihte ich nebeneinander. Ich legte alle Hoffnung, alle Sehnsucht in die Worte.

Dann druckte ich noch das Bild mit den Seerosenblätter aus und legte es mit in den Umschlag.

"Heute Abend gehst du auf die Reise zu ihr," dachte ich und legte den Umschlag in meine Mappe und auf dem Weg zum Dienst warf ich ihn in den Briefkasten.

 

Die nächste Zeit

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 Amalie


Die nächste Zeit verging wie im Flug. Ich ging zu den Vorlesungen, lernte für Klausuren, traf mich mit Freunden und verbrachte viel Zeit mit Lernen. Wenn das Wetter es zuließ war ich am Fluss. Joggen, radfahren, fotographieren oder einfach nur spazieren.

Ich dachte nicht mehr an ihn. Die erste Zeit hatte ich Träume über Dinge die ich gar nicht nachgedacht habe. Ab und zu kamen seine Blicke und sein Lächeln darin vor. Irgendwann hatte ich keine schlaflosen Nächte mehr. Wozu denn auch? Menschen lächeln sich an. Normales zwischenmenschliches Verhalten.


Am letzten Apriltag des Jahres 2013 war ich mit Freundinnen unterwegs. Ich war etwas aufgeregt und konzentriere mich au mein Aussehen.

Ich trug ein dunkelrotes Kleid unter meinem schwarzen Frühjahrstenchcoat. Es war schlicht geschnitten aber es kleidete mich gut und betonte meine Figur. Ich trug außerdem schwarze Schuhe mit zehn Zentimeter Absatz. Viel zu viel für eine Maifeier, aber ab und zu brauche auch ich diese Zusatzgröße.

Ich freute mich auf die Feier, auf die Freunde. Ich tanzte die halbe nacht durch, schloss mich Unterhaltungen an, flirtete ein wenig,  - wenn man es so nennen darf - wenn man jemanden anlächelt, ein paar nette Worte mit ihnen wechselt. Ich redete viel mit Jan, dem Gastgeber der Schrebergartenlaube, half ihm bisschen beim Aufräumen. Wir erzählten uns von der Uni, er studierte wo anders. Wir lachten viel. Er mochte mich und ich ihn irgendwie auch. Ich unterhielte auch mit meinen beiden Freundinnen und deren Freunde und irgendwann am frühen Morgen des ersten Tages im Mai brachen wir auf. Und ich schaffte es durch den Abend ohne zu stolpern, oder umzuknicken mit den Schuhen.  Ausgetobt und freute mich auf mein Bett.
Ich machte mich bettfertig und schlief sofort ein. Den ersten Maitag verbrachte ich mit der Familie.


Am Nachmittag des 3. Mai als ich von der Uni nach Hause kam, öffnete ich routinemäßig den Briefkasten und zwischen den Briefen entdeckte ich seinen Brief.
Der Absender sagte mir nichts. Ich kannte niemanden der Lenart hieß. Ich eilte ins Haus, ging in mein Lernzimmer, suchte nervös nach dem Brieföffner und neugierig öffnete ich den Brief.
Seinen Brief. Ich betrachtete lange das beiliegende Bild. Ich sah zartgrüne winzige Seerosenblätter. "Ich habe meine Bilder doch gar nicht ausgedruckt," dachte ich.
Ich roch am Briefpapier. "Es riecht irgendwie nach Wasser, so wie es am Fluss riecht. Frisch und erdig." murmelte ich vor mich hin. Selbstgespräche führen nur Verrückte!" fiel mir Omas Spruch ein und musste lächeln. Dann enfaltete seinen Brief las;

Heute genau vor 14 Jahren - Lenart

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 Lenart


"Woran mag es liegen, dass das Leben nicht so verläuft wie man es sich wünscht, dass es nicht so leicht getan ist wie gesagt?"

-Wir sind Menschen und keine Engel. Menschen müssen ihre Fehler machen, um daraus zu lernen.




Während mein Blick schweigend auf dem See lag, atmete ich die Ruhe um mich herum ein. Mein Blick fiel auf ein paar winzige Seerosenblätter die friedlich auf der glatten Wasseroberfläche des Sees lagen und sich im glänzend schimmernden Wasser spiegelten. Ab und zu spielte der milde Frühlingswind mit den noch hauchzarten Blättern.

"Auch ein Leben das sich auf seine Art spiegelt." dachte ich und ich fühlte wie sich die Melancholie in mir ausbreiten wollte. "Ich lasse mich nicht die Ruhe des Augenblicks nehmen."

Der Blick verweilte auf dieser Schönheit, während die Gedanken lebendig in die Ferne zogen. Ich konnte ihn spüren, den Frühling. Ich konnte ihn riechen. Ich konnte ihn sehen. Die Sonne, die hell am schäfchenwolkenbemalten blauen Himmel stand. Kein Dunkelgrau, kein wütendes Blaugrau das ein Unwetter weckt, sondern helles Blau. mit weißen Wattewolken als würde sich augenblicklich ein Engel darauf setzen, der fröhliche Gedankenblitze auf die Erde wirft. Die ersten pastellgrünen zarten Knospen an Bäumen und Sträuchern.

Die Sehnsucht nach Liebe, nach Nähe, nach Geborgenheit war heute wieder meine Begleiterin. Meine Gefährtin die mich ab und zu in die Seite kneift, dass es schmerzt.



Die Sehnsucht einen Menschen wahrlich lieben zu können, keimte in meinem Ich. Nicht diese Art von Liebe, wenn dir ein symphatischer Mensch gegenüber steht und dein Herz einen Purzelbaum schlägt. Eher eine Art Liebe, die so tief in dich eindringt, die dich Freund werden lässt . Eine Liebe die dich zu schätzen lernen lässt, die dich beflügelt wenn du niedergeschlagen bist.

Es wirkt manchmal befremdlich, auf diese Art zu lieben, aber gerade dieses Kribbeln im Bauchbereich, auch wenn es einem akuten Magengeschwür sehr ähnelte, hoffte ich Wurzeln zu finden und irgendwann im Irgendwo bei irgendwem anzukommen.

"Das hier ist ein Postkartenmotiv aus dem Augenblick." dachte ich und lächelte vor mich hin.

Ich hielt meine Handykamera auf das atemberaubende Motiv. Ich knipste los. Einmal, zweimal, noch von der anderen Seite einmal, zweimal......



Dann sah ich sie. Sie stand neben mir. Ihr Anblick gefiel mir so sehr, dass ich es nicht lassen konnte meinen Blick von ihr zu lösen. Nahezu jede ihrer Handlungen, Bewegungen saugte ich auf. Sie war viel kleiner als ich. Schlank aber nicht dünn. Ihr langes welliges Haar ist zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ein paar freche mittelbraune wellige Strähnen umrahmten ihr Gesicht. Dieses eigentlich schon Voyeuristische beschämte mich ein wenig. Es war ein sonniger Frühlingstag da bekamen die Sonnenstrahlen und die Endorphine wieder Freigang durch den gesamten Körper und ließen mich meinen Grundsatz des Bedachts vergessen.



Wie Atlas der das Gewölbe des Himmels auf Händen trägt, stand ich da, sah sie an, wünschte, dass sie fühlt, dass ich sie ansehe. Ich fühlte wie ich mich für einen Moment vorlor. Sekundenliebe oder Endrophinrausch.

Sie blickte kurz auf, sah mich kurz an, oder eher an mir vorbei, konzentrierte sich auf ihr Kamera und drehte mir den Rücken zu.

"Sie sieht mich nicht." dachte ich leicht enttäuscht.

Ich brauchte eigentlich nur ein paar Schritte nach vorne zu machen und sie anzusprechen. Ich traute mich nie eine Frau anzusprechen.

"Du bist zu blöd zum Flirten," neckten mich meine Freunde. Mein Sexleben war nicht gerade das, worüber ich stolz sein konnte. Ein paar kurze Flirts, zwei One-night-stands, davon einer mit Folgen.

Traurigkeit umhüllte mein Herz. Und viel Liebe.



Plötzlich drehte sie sich um und unsere Blicke trafen sich. Ich weiß nicht mehr wie lange wir uns anstarrten. Vielleicht war es nur ein einziger Augenblick. Vielleicht war es eine kleine Ewigkeit. Das Zeitgefühl war weg. Ich sah in zwei große bernsteinfarbene lächelnde Augen.

Sie lächelte mich an. Es war das schönste Lächeln, das ich je gesehen habe. Ich konnte nicht anders, ich musste einfach zurücklächeln.

Dann drehte sie sich um und entfernte sich von mir.

Ich sah ihr nach in der Hoffnung sie würde stehen bleiben und warten dass ich sie einhole. Sie sah noch einmal zurück und dann verschwand sie unter der Menschenmenge.

"Das halte ich fest, dachte ich und lächelte vor mich hin. "Daran möchte ich mich ab und zu erinnern, wenn ich das Bedürfnis nach körperlicher Nähe habe."



Und dann berührt mich

das mir noch unbekannte Gefühl.

Spricht mit seinen sanften Farben:
“Komm. Komm genieße es.”
während es ganz langsam meine Arme
mit seinen warmen Strahlen bedeckt,
auf meinem Gesicht verweilen wollend,
um dann meine Augen mit Leben zu füllen.

“Komm. Komm lass deine Gedanken fliegen

hin zu ihr."



"Du Idiot!" schimpfte ich mit mir in Gedanken."Stellst dich an wie ein pubertierender Teenager. Hättest sie ansprechen müssen. Die ist es, aber du musst ja wieder alles vermasseln mit deiner Tolpatschigkeit."

Ich fischte mein Handy aus der Jackentasche und kramte aus der Handytasche nach meiner Visitenkarte und notierte das was ich an ihrem Rucksackanhänger las.

"Witzbold!" machte ich mich über mich selbst lustig. Ich steckte die Visitenkarte zurück. "Man weiß ja nie...." dachte ich.